DGNB-Auszeichnung Social Positive macht soziale Qualität von Gebäuden bewertbar
Die DGNB-Auszeichnung Social Positive macht die soziale Qualität von Gebäuden und Quartieren systematisch mess- und bewertbar. Entwickelt hat sie die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) gemeinsam mit mehreren Partnern. Die Beurteilung erfolgt vor Ort. So soll geprüft werden, ob die in der Planung definierten Parameter im laufenden Betrieb tatsächlich umgesetzt und von den Nutzenden angenommen werden.
Im Fokus stehen Projekte, die über ihre funktionale Nutzung hinausgehen, Gemeinschaft stärken und Teilhabe ermöglichen. Bewertet wird nicht nur das Nutzungskonzept, sondern auch die Einbindung in das Quartier und der Mehrwert für die Nachbarschaft.

„Mit der DGNB Auszeichnung ‚Social Positive‘ schaffen wir einen validen Rahmen, um den gemeinwohlorientierten Mehrwert von Gebäuden sichtbar und bewertbar zu machen. Das ist nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern für Eigentümer auch strategisch entscheidend, denn die soziale Qualität einer Immobilie trägt maßgeblich zu ihrer langfristigen Wertstabilität bei.“
Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB
An der Entwicklung des Anforderungskatalogs waren neben den DGNB Systempartnern der Green Building Councils aus Österreich, der Schweiz, Spanien und Kroatien auch der Deutsche Werkbund, die Hamburger Kreativ Gesellschaft, das BIS Institut für Sozialforschung Berlin, die Montag Stiftung Urbane Räume sowie die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung beteiligt. Impulsgeber und Mitinitiator ist das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG).
Acht Themenfelder der DGNB-Auszeichnung Social Positive
Die Auszeichnung stützt sich auf acht Themenfelder:
- Einbindung der Öffentlichkeit und der Nutzenden
- Begehbarkeit und Inklusion
- Gesundheit und Wohlbefinden
- Sicherheit und Schutz
- Sozialer Zusammenhalt und gemeinschaftliche Nutzung
- Ökonomische und soziale Eignung
- Nachhaltigkeit mit gesellschaftlichem Mehrwert
- Nutzerfeedback und Nutzerzufriedenheit
Das Verfahren läuft in zwei Stufen. Zunächst prüft eine Expertenkommission die eingereichten Unterlagen. Fällt diese Prüfung positiv aus, folgt eine Vor-Ort-Begehung, bei der die Kommission die tatsächliche Wirkung anhand eines Fragebogens zu den acht Themenfeldern bewertet. Aktuell befindet sich die Auszeichnung in der Pilotphase. Zugelassen sind fertiggestellte und vollständig in Betrieb genommene Gebäude und Quartiere in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Spanien und Kroatien. Eine Anmeldung ist unabhängig von einer DGNB Zertifizierung möglich. Die Bewertungsunterlagen stehen unter www.dgnb.de/social-positive bereit.
Erste Projekte bei Siemens Healthineers
Das Verfahren wurde erstmals an zwei Gebäuden von Siemens Healthineers in Erlangen erprobt: dem 2023 errichteten Education and Training Center (EDC) und dem sanierten Produktions- und Bürogebäude eMpResso (MR) an der Allee am Röthelheimpark. Das EDC eröffnete laut Siemens Healthineers im Mai 2023; es umfasst rund 11.000 Quadratmeter auf sieben Geschossen, die Investition lag bei etwa 60 Millionen Euro.


„Eine wichtige Erkenntnis aus der ersten Begehung ist, dass wir mit den Augen der Nutzenden durch das Gebäude gehen müssen, um wirklich zu verstehen, ob die geplanten Parameter für die soziale Qualität auch in der Praxis spürbar sind und funktionieren.“
Martin Haas, DGNB Vizepräsident und Mitglied der Expertenkommission
Jens Böhnlein, Global Head of Real Estate bei der Siemens Healthineers AG, bezeichnet die Teilnahme am Pilotverfahren als Gelegenheit, die soziale Qualität der Gebäude sichtbar zu machen. Weitere Flächen bereite das Unternehmen bereits für das Verfahren vor.

