Kinderoase TUM: Vertikale Kita von Francis Kéré als fünfgeschossiger Holzbau
Am 07. Juli 2026 wurde die Kinderoase an der TU München ihrer Bestimmung übergeben. Für Francis Kéré ist es das erste dauerhafte Gebäude in Europa.
Der Architekt aus Burkina Faso erhielt 2022 den Pritzker-Preis und lehrt seit 2017 an der Technischen Universität München als Professor für Architectural Design and Participation. Der Spatenstich erfolgte am 18. April 2024, die Bauzeit betrug damit gut zwei Jahre.

- Bauherrin war die Unternehmerin und TUM-Ehrensenatorin Ingeborg Pohl. Sie finanzierte den Bau, ließ ihn errichten und schenkte ihn der Universität.
- Den Entwurf beauftragte sie bei Kéré Architecture, die Ausführungsplanung übernahm HK Architekten – Hermann Kaufmann + Partner. Kaufmann ist emeritierter Professor des TUM-Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau.
- Tragwerk, Brandschutz und Bauphysik verantwortete Stefan Winter von der bauart Konstruktions GmbH, ebenfalls emeritierter TUM-Professor.
- Betreiberin der Einrichtung wird das Studierendenwerk München Oberbayern.
Das Gebäude steht an der Gabelsbergerstraße 41 auf einer Parzelle, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unbebaut war. Nach Süden grenzt es an die Mensa der TUM, östlich und westlich stehen Bestandsgebäude der Universität. Bis zu 60 Kinder von TUM-Angehörigen finden hier künftig Platz.


„Es ist erfreulich, dass die international anerkannte Holzbaukompetenz der TUM ihren sichtbaren Ausdruck am zentralen Standort in München nun gefunden hat.“
Hermann Kaufmann, emeritierter Professor des TUM-Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau
Kinderoase an der TUM: Francis Kéré organisiert die Kita vertikal
Der fünfgeschossige Bau misst 15,10 Meter in der Breite und 17,46 Meter in der Tiefe. Die Bruttogrundfläche beträgt 1.541 Quadratmeter, den Kindern stehen davon rund 700 Quadratmeter zur Verfügung. Die Gruppen sind nach Altersstufen getrennt und belegen jeweils ein eigenes Geschoss.
In den mittleren und oberen Ebenen liegen gemeinschaftliche Bereiche für Spiel, Sport und Mahlzeiten, darunter ein Mehrzweck-Sportraum. Den oberen Abschluss bildet eine teilweise überdachte Dachterrasse mit dem Namen „Himmelswiese“.
An der Nordfassade verläuft ein vertikaler Spielplatz. Rutschen verbinden die einzelnen Ebenen miteinander. Zugleich dient dieser Bereich als akustischer Puffer und schirmt die dahinterliegenden Gruppenräume gegen den Straßenlärm der Gabelsbergerstraße ab.




„Wir haben die Kinderoase konsequent aus der Perspektive der Kinder entworfen, die sie täglich nutzen werden. Entstanden ist ein vertikaler Spielplatz, in dem sie laufen, klettern und von einem Geschoss ins nächste rutschen können.“
Francis Kéré, Architekt
Konstruktiv handelt es sich um einen Holzbau. Lediglich das Fluchttreppenhaus im hinteren Gebäudeteil wurde in Beton ausgeführt. Als Hauptbaustoff diente Fichte, Parkett und Treppenstufen bestehen aus Esche.
Vor die Konstruktion legt sich eine gefaltete Lamellenfassade aus Cortenstahl, einem wetterfesten Baustahl, der eine schützende Rostschicht ausbildet. Für den Bau wurden rund 100 Tonnen Stahl verbaut, überwiegend für die 2.085 Lamellen der Fassade. Deren Gesamtlänge beträgt etwa 7.300 Meter.



Weiterführende Links zur Architektur der „Kinderoase“
Pressemitteilung der TUM zur Schlüsselübergabe
Projektseite von Kéré Architecture
Projektseite von HK Architekten zur Ausführungsplanung
Digitale Bautafel mit Baustellendokumentation
