Zusammengerollte Pläne stehen für die Auftragslage der Planungsbüros, die sich weiter eintrübt (Symbolbild, KI-generiert)

Konjunkturbefragung 2026: Auftragsbestand der Architekturbüros sinkt auf zehn Monate

Konjunkturbefragung unter 4.859 Büros

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Planungsbüros bleibt angespannt. Das ist der Befund der gemeinsamen Konjunkturbefragung von AHO, Bundesarchitektenkammer, Bundesingenieurkammer und VBI, die die vier Organisationen am 21. August 2026 veröffentlicht haben. IW Consult und Reiß & Hommerich befragten im Mai und Juni 2026 bundesweit 4.859 Architektur- und Ingenieurbüros online. Im Vorjahr hatten sich 2.452 Unternehmen beteiligt.

Laut den beteiligten Kammern und Verbänden zeigen bislang weder die Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren noch neue Finanzierungsmittel wie das Sondervermögen Infrastruktur erkennbare Wirkung auf die wirtschaftliche Lage der Büros.

Auftragsbestand der Architekturbüros sinkt auf zehn Monate

Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung beim Auftragsbestand, bezogen auf die Eigenleistung. Bei den Architekturbüros fiel er von durchschnittlich 11,5 auf 10,0 Monate und damit um rund 13 Prozent. Die Ingenieurbüros verzeichneten dagegen einen leichten Anstieg von 11,1 auf 11,3 Monate. Über alle befragten Büros hinweg ging der Wert von 11,2 auf 10,7 Monate zurück.

Balkendiagramm zum Auftragsbestand der Architektur- und Ingenieurbüros in Monaten

Die Auswertung führt den Unterschied auf die Auftraggeberstruktur zurück. Architekturbüros erzielen 38 Prozent ihrer Gesamtleistung mit Privatpersonen, bei den Ingenieurbüros sind es 19 Prozent. Aufträge aus der Privatwirtschaft werden zugleich häufiger gekündigt oder zurückgestellt: 43 Prozent der Büros berichten davon bei privaten Aufträgen, 35 Prozent bei öffentlichen.

Entsprechend fallen die Erwartungen aus. 35 Prozent der Architekturbüros rechnen für 2026 mit einem weiteren Rückgang der Aufträge, unter den Ingenieurbüros sind es 26 Prozent. Ihre wirtschaftliche Lage zum Jahresbeginn 2026 bewerten 22 Prozent der Architektur- und 19 Prozent der Ingenieurbüros als schlecht oder eher schlecht. Fünf Prozent aller Büros halten es für wahrscheinlich, den Betrieb in den kommenden Monaten einstellen zu müssen, weitere 14 Prozent bewerten ihre Zukunft als ungewiss. Besonders kritisch schätzen Büros mit weniger als zehn Mitarbeitenden ihre Aussichten ein.

„Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung sind ein deutliches Warnsignal. Viele Architektur- und Ingenieurbüros stehen wirtschaftlich unter erheblichem Druck, der Auftragsbestand geht zurück und die wirtschaftliche Unsicherheit wächst. Das können wir uns angesichts der Herausforderungen beim Wohnungsbau, der Klimaanpassung unserer Städte und der Modernisierung der Infrastruktur nicht leisten. Jetzt braucht es ein klares politisches Signal: Planen und Bauen muss einfacher, schneller und verlässlicher werden. Und Planungsbüros brauchen verlässliche und auskömmliche Rahmenbedingungen, denn ohne leistungsfähige Architektur- und Ingenieurbüros sind die Aufgaben nicht zu bewältigen.“

Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer

Regulatorik und Konjunktur als größte Hemmnisse

Nach welchen Ursachen die Befragung sucht, zeigt der Abschnitt zu den Rahmenbedingungen. Als starkes oder eher starkes Hemmnis für das Geschäftsjahr 2025 nannten die Büros am häufigsten regulatorische Anforderungen (41 Prozent), den wirtschaftlichen Abschwung (40 Prozent) und gestörte Projektabläufe (36 Prozent). Bei den Architekturbüros steht der wirtschaftliche Abschwung an erster Stelle, zusätzlich führen viele von ihnen gestiegene Materialkosten an. Über Wege zum Abbau regulatorischer Anforderungen wird in der Branche seit Längerem diskutiert, etwa über den Gebäudetyp E.

Die Auswertung beschränkt sich auf die sogenannten Konjunkturfragen. Die vollständigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Befragung will die Bundesarchitektenkammer im Herbst 2026 vorlegen. Der Ergebnisbericht zu den Konjunkturfragen steht auf der Website der Bundesarchitektenkammer zum Abruf bereit.

Daten zur Konjunkturbefragung 2026 der Planungsbüros

Die Befragung

  • Titel: Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Situation der deutschen Architektur- und Ingenieurbüros 2026, Auswertungsteil Konjunkturfragen
  • Erhebungsmethode: Online-Befragung (CAWI)
  • Erhebungszeitraum: Mai und Juni 2026
  • Teilnehmende Büros: 4.859 (Vorjahr: 2.452)
  • Stichprobe: knapp 4.000 Architekturbüros, gewichtet auf die tatsächliche Verteilung der Grundgesamtheit (rund 35 Prozent Architektur-, rund 65 Prozent Ingenieurbüros) sowie nach Bundesländern
  • Datum des Ergebnisberichts: 28. Juli 2026
  • Betriebswirtschaftliche Gesamtauswertung: laut BAK im Herbst 2026 zu erwarten

Beteiligte

  • Auftraggeber: AHO (Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung), Bundesarchitektenkammer (BAK), Bundesingenieurkammer (BIngK), Verband Beratender Ingenieure (VBI)
  • Durchführung und Auswertung: IW Consult und Reiß & Hommerich

Zentrale Ergebnisse

  • Auftragsbestand Architekturbüros: Rückgang von durchschnittlich 11,5 auf 10,0 Monate (Befragung 2025 zu 2026)
  • Auftragsbestand Ingenieurbüros: 11,3 Monate nach 11,1 Monaten in der Vorjahresbefragung
  • Auftragsbestand über alle Büros: 10,7 Monate nach 11,2 Monaten
  • Erwarteter Rückgang der Aufträge: 26 Prozent der Ingenieurbüros, 35 Prozent der Architekturbüros
  • Wirtschaftliche Lage zum Jahresbeginn 2026 als schlecht oder eher schlecht bewertet: 22 Prozent der Architektur-, 19 Prozent der Ingenieurbüros
  • Zurückhaltendste Einschätzung: Innenarchitektur sowie Ingenieurbüros in Tragwerksplanung und Verkehrsanlagen
  • Befürchtete Betriebseinstellung in den nächsten Monaten: 5 Prozent aller Büros; weitere 14 Prozent bewerten ihre Zukunft als ungewiss
  • Besonders kritische Zukunftseinschätzung: Büros mit weniger als zehn Mitarbeitenden

Quellen

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