Foyer und Galerie-Ebene (Foto © Marcus Bredt)

Neuer Orchestersaal: Renovierung und Umgestaltung des Konzertsaals am Kieler Schloss

Die Sanierung und Umgestaltung des Konzertsaals am Kieler Schloss zeigt, wie ein bedeutendes Kulturgebäude der Nachkriegsmoderne funktional und technisch erneuert werden kann. Mit Respekt vor der ursprünglichen Architektur und unter Berücksichtigung zeitgemäßer Anforderungen.

Durch die Kombination aus behutsamer Restaurierung, gezielten Eingriffen und moderner Technik wurde ein zeitgemäßer Orchestersaal geschaffen, der den Ansprüchen von Musiker:innen, Publikum und Betrieb gleichermaßen gerecht wird.

Blick in das Auditorium (Foto © Marcus Bredt)
Blick in das Auditorium (Foto © Marcus Bredt)

Zwischen 2019 und 2025 entwickelten die Architekt:innen von gmp · von Gerkan, Marg und Partner sowie bbp : architekten ein Konzept, das als Fortführung des bestehenden Gebäudes verstanden werden kann.

Ziel war es, vielfältige neue Anforderungen in die vorhandene Struktur zu integrieren, deren Qualität maßgeblich aus der Klarheit und formalen Zurückhaltung der Architektur resultiert.

Historischer Kontext und ursprüngliche Architektur

Der Konzertsaal am Kieler Schloss steht exemplarisch für die Herausforderungen zahlreicher Kulturgebäude der Nachkriegsmoderne, die heute eine funktionale und technische Erneuerung benötigen, ohne ihre architektonische Identität zu verlieren.

Zusammen mit dem angrenzenden Kieler Schloss bildete der Saal (Architektur: Sprotte & Neve, Hamburg, 1961–1965) ein neues kulturelles Zentrum am nördlichen Rand der historischen Altstadt von Kiel. Das Gebäude umfasst ein helles, prismatisch geformtes Auditorium, das in einem Natursteinvolumen eingeschlossen ist.

Gesamtansicht mit Vorplatz (Foto © Marcus Bredt)
Gesamtansicht mit Vorplatz (Foto © Marcus Bredt)
Orchestersaal, Lageplan (Abbildung © gmp Architects)
Orchestersaal, Lageplan (Abbildung © gmp Architects)
Orchestersaal, Grundriss Erdgeschoss (Abbildung © gmp Architects)
Orchestersaal, Grundriss Erdgeschoss (Abbildung © gmp Architects)

Zentrales Element des Auditoriums ist eine nahezu ebenerdige Orchesterplattform aus, die von terrassenförmig angeordneten Zuschauerbereichen umgeben ist. So entsteht eine enge räumliche Beziehung zwischen Orchester und Publikum.

Renovierungskonzept und architektonische Maßnahmen

Im Laufe der Zeit führten Umbauten, technische Aufrüstungen und Erweiterungen zu einer Veränderung des architektonischen Charakters und überlagerten prägende Elemente des ursprünglichen Entwurfs. Und nach fast sechzig Jahren machten altersbedingte Mängel, Schäden durch frühere Reparaturen und gestiegene Betriebsanforderungen eine umfassende Sanierung und Modernisierung notwendig.

Das Kernziel der Umgestaltung war die Wiederherstellung der minimalistischen Klarheit und Materialität des Gebäudes bei gleichzeitiger Integration moderner Technik.

Eingangsbereich des sanierten Orchestersaals am Kieler Schloss (Foto © Marcus Bredt)
Eingangsbereich des sanierten Orchestersaals am Kieler Schloss (Foto © Marcus Bredt)
Foyer und Galerie-Ebene (Foto © Marcus Bredt)
Foyer und Galerie-Ebene (Foto © Marcus Bredt)

Die Entwurfsstrategie setzte auf präzise Eingriffe, sowohl sichtbar als auch verborgen, die spätere Veränderungen korrigieren und kleinere Mängel der ursprünglichen Konstruktion beheben.

So wird die architektonische Ordnung wiederhergestellt und gleichzeitig die funktionalen Abläufe für Publikum, Musiker:innen und den Betrieb optimiert. Aus städtebaulicher Sicht wurde der Konzertsaal zudem stärker zur Stadt und zur Kieler Förde geöffnet.

Fassaden und energetische Erneuerung

Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung lag auf der energieeffizienten Erneuerung der gesamten Gebäudehülle. Die energieoptimierte Pfosten-Riegel-Glasfassade des Foyers nimmt die filigranen Proportionen der ursprünglichen Struktur auf und erhöht die Transparenz entlang der Hauptfassade.

Neue Sonnenschutzverglasungen verbessern die Energieeffizienz und den sommerlichen Wärmeschutz. Die Natursteinfassaden und die mit norwegischem Alta-Quarzit verkleideten Foyerwände wurden restauriert, wobei etwa 70 Prozent der Innen- und Außensteinplatten erhalten und wiederverwendet wurden. Die Entfernung der früheren bronzenen Eingangstüren öffnet den Eingangsbereich optisch zum Vorplatz hin.

Funktionale Verbesserungen im Innenraum

Basierend auf langjähriger Betriebserfahrung konzentrierten sich die Eingriffe im Foyer auf funktionale Verbesserungen. Durch den Tausch von Bar und Garderobe konnten akustische Störungen reduziert und die Besucher- sowie Mitarbeiter:innenzirkulation neu organisiert werden. Der zuvor vor der Südfassade angebrachte Aufzug wurde entfernt und in das Foyer integriert.

Ein neues Ausgangselement öffnet das Foyer nun nach Norden zur Fördeterrasse. Der Zugang zum oberen Fördefoyer, das zum Wasser orientiert ist, wurde deutlich erweitert. Eine neu integrierte Bar stärkt das Fördefoyer als Ort der Begegnung und Kommunikation. Zudem ermöglicht ein Flügel informelle musikalische Nutzungen über das reguläre Konzertprogramm hinaus.

Von der Bar im Obergeschoss geht der Blick auf die Kieler Förde (Foto © Marcus Bredt)
Von der Bar im Obergeschoss geht der Blick auf die Kieler Förde (Foto © Marcus Bredt)

Das Nutzungsspektrum des Gebäudes wird durch einen neuen multifunktionalen Saal im Obergeschoss erweitert, der ebenfalls Ausblicke auf die Kieler Förde bietet.

Die Innenraumgestaltung nutzt vorhandene Leuchten aus dem Konzertsaal wieder und setzt mit LED-Hinterleuchtung von Corian-Paneelen die Idee des leuchtenden Auditoriumvolumens fort.

Akustische und technische Modernisierung des Konzertsaals

Im Konzertsaal selbst standen akustische Optimierungen, die Bühne und technische Ausstattung im Fokus. Die hervorragende Konzertakustik wurde bewahrt, die Verständlichkeit unter den Musiker:innen gezielt verbessert.

Zwölf höhenverstellbare akustische Reflektoren über der Bühne fördern die Kommunikation der Musiker:innen durch neue schallreflektierende Flächen und integrieren Akustik, Bühnenbeleuchtung und technische Ausstattung.

Neue Hebebühnen ersetzen die früher manuell bedienten Bühnenelemente und ermöglichen schnellere Umbauten sowie eine flexiblere Nutzung des Saals. Anpassungen an ausgewählten Terrassenbereichen verbessern die Sichtlinien im Auditorium. Der Charakter des Saals bleibt durch die Erneuerung von Bestuhlung, Bodenbelägen und Treppengeländern erhalten.

Konzertsaal am Kieler Schloss, 3D-Schnitt (Abbildung © gmp Architects)
Konzertsaal am Kieler Schloss, 3D-Schnitt (Abbildung © gmp Architects)
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