Wände aus Holzmodulsteinen: Haus Köris, ein Wohnhaus im Wald (Architektur: Zeller & Moye)

31.08.2020

Das Architekturbüro Zeller & Moye hat im Kiefernwald von Klein Köris südöstlich von Berlin ein kleines Einfamilienhaus realisiert. Der Bau aus Massivholzböden und -decken sowie Wänden aus Holzmodulsteinen wurde so angelegt, dass der Baumbestand erhalten bleiben konnte.

Aus der Position der vorhandenen, hohen Kiefern auf dem Grundstück resultiert der unregelmäßige Grundriss. Er teilt das Haus in fünf einzelne, zueinander versetzte Volumen. So entstehen intime, kleinteilige Innenräume, die unterschiedliche Ausblicke auf die umgebende Natur ermöglichen.

Außenraum als Innenraum, vor Wind und fremden Blicken geschützt

Die Verschiebungen im Grundriss bilden einen Innenhof und mehrere begrünte Nischen entlang der Fassade aus. Manche dieser Rücksprünge sind von Wind oder Einblicken geschützt, andere fangen die Sonne ein. Die Nischen geben den Hausbewohnern so vielfältige Möglichkeiten, den Außenraum als Erweiterung des Innenraumes mit zu bewohnen.

Ähnlich behutsam gingen die Architekten auch bei der Gründung vor: Die Holzkonstruktion des Hauses wurde vom Boden losgelöst, um dessen Fußabdruck im Waldboden zu minimieren und um direkten Kontakt mit dem saisonal feuchten Boden zu vermeiden. Die leichte Holzstruktur ruht auf einzelnen Punktfundamenten aus Beton, die in einem Raster unter dem Haus angeordnet sind. Die Wurzeln der KIefern können so um die Betonpfähle herum wachsen.

Ein großzügig proportionierter Wohnraum ist das Herzstück des Hauses. Hier kommen die Bewohner zusammen, kochen und essen gemeinsam an einem großen Tisch oder sitzen vor dem Kamin. Drei flexibel nutzbare Räume gehen von dem Wohnraum in verschiedene Richtungen ab. Sie können als Schlafzimmer, Arbeitsstudio, Werkraum oder Gästezimmer genutzt werden. Ihre Anordnung auf den sich gegenüberliegenden Seiten des Hauses ermöglicht eine sehr gute akustische Trennung, so dass selbst nachts gleichzeitig gearbeitet und geschlafen werden kann, ohne sich gegenseitig zu stören.

Unverkleidete, helle Holzoberflächen im Inneren

Im gesamten Innenraum bleiben die hellen Holzoberflächen der Wände, Decken und Böden unverkleidet und schaffen so ein durchgängig angenehmes Raumklima. Großflächige Fenster in unregelmäßiger Positionierung unterbrechen die ruhige Innenraumgestaltung mit malerischen Aussichten auf die umgebende Baumlandschaft.

Alle Fenster wurden so im Raum angeordnet, dass die Bäume der Umgebung durch die jeweiligen Fenster „gerahmt“ werden. Vier Hauseingänge verbinden das Haus mit dem Garten. Der Haupteingang ist im zentralen Innenhof verborgen und öffnet sich direkt zum großen Wohnraum. Einer der Nebeneingänge verbindet das Badezimmer mit dem Garten, wo sich in einem Gebäuderücksprung und geschützt von Vegetation eine Außendusche befindet.

Überschaubare Baukosten dank Holzkonstruktion in Vorfertigung

Dank der effizienten Holzkonstruktion, die hauptsächlich in Vorfertigung erstellt wurde, konnte das Wohnhaus zu einem günstigen Preis gebaut werden. Neben Massivholzböden und -decken kommt im Haus Köris vor allem ein neuartiges Wandsystem aus Holzmodulsteinen zum Einsatz, das mit holzfaserbasiertem Dämmmaterial gefüllt ist.

Die Fassade wurde umlaufend mit vertikal angeordneten Holzlatten aus regionalem Fichtenholz verkleidet. Die Außentüren sind optisch in den Rhythmus der Fassade integriert. Die Kombination aus großformatiger Festverglasung und kleineren, öffenbaren Fenstern sorgt für lichtdurchflutete Innenräume und großzügige natürliche Belüftung.

Holzkamin und Biogasofen, Kleinkläranlage und begrünte Dächer

Das Innenklima des Hauses ist aufgrund der natürlichen Eigenschaft des Holzes, die Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur auszugleichen, komfortabler als das eines Haus in traditioneller Bauweise aus zementbasierten Materialien. Während der kalten Winterperiode sind die unverkleideten Holzoberflächen nicht nur angenehm anzufassen, sondern sie tragen vor allem durch Wärmereflexion zu einem wohligen Raumklima bei.

Der Holzkamin im zentralen Wohnraum gibt eine angenehme Strahlungswärme ab, während ein Biogasofen die allgemeine Heizung in allen Räumen speist. Als umweltfreundliche Lösung wurde eine Kleinkläranlage auf dem Grundstück verbaut, die das gesamte Abwasser reinigt, bevor sie es dem Grundwasser zuführt. In einer zweiten Phase sollen die Flachdächer begrünt werden, was die Dämmleistung des Hauses weiter erhöhen und sich zudem positiv auf das Ökosystem des Grundstücks auswirken wird.

Das Haus wurde im Frühjahr 2020 fertiggestellt und wird seitdem von den Eigentümern bewohnt.

Projektdaten

Gebäude-Typologie: Wohnhaus im Wald
Ort: 15746 Klein Köris, Brandenburg, Deutschland
Raumprogramm: Wohnzimmer mit Küche, 3 flexible Räume, Bad, Garten

Fläche: Gebäude: 132,50 m² (Bruttogeschossfläche BGF), Garten: 752,50 m², Grundstück: 885 m²
Raumvolumgen: Gebäude: 521,00 m³ (Bruttorauminhalt BRI)
Geschossflächenzahl (GFZ): 0,3
Grundflächenzahl (GRZ): 0,15
Fertigstellung: 03/2020

Architekten: Zeller & Moye; Team: Christoph Zeller, Ingrid Moye (Partner), Alex Pineda, Florence Bassa, Omar Muñoz
Berater und Ingenieure: Beratung Holzbau: Georg Glaubitz; Statik Holzbau: Dipl. Ing. Werner Pramann; Statik Gründung: Tauchmann M. Eng.; Haustechnik: Dipl. Ing. Christian Klandt
Fotos: César Béjar, Christoph Zeller (siehe Bildunterschriften)

Bauherr: privat
Baukosten: 230.000 EUR

Weitere Informationen auf zellermoye.com »

Haus Köris, Wohnhaus im Wald; Architektur: Zeller & Moye, Berlin (Foto: César Béjar)
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