Die Bodenplatte als Fertigteil wird auf die Perimeterdämmung gesetzt.

Modulbau statt Zelt: Temporäre Flüchtlingsunterkünfte aus Betonfertigteilen

Auf dem Gelände der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr-Ahrweiler entsteht eine kleine Siedlung aus insgesamt 54 sogenannten Betonsheltern, die 300 Flüchtlingen eine sichere Unterkunft bieten. Peter Görgen vom Technischen Hilfswerk und Martin Hachmeister, Geschäftsführer des Betonwerks Heinrich Hachmeister, haben diese Gebäude gemeinsam entwickelt.

Schnelle Montage – fünf Gebäude werden an einem Tag aufgestellt.
Schnelle Montage – fünf Gebäude werden an einem Tag aufgestellt.

Die Pläne für die 15 Quadratmeter großen Wohncontainer aus Betonfertigteilen waren ursprünglich für den Einsatz im Ausland gedacht – mit entsprechender Dämmung und Heizung sind diese nun auch in Deutschland einsetzbar.

„Gegenüber der herkömmlichen Unterbringung im Zelt haben wir erhebliche Vorteile: Dank des Betons können die Gebäude enger aneinander gestellt werden, ohne Probleme mit dem Brandschutz zu bekommen. Durch die hohe Speicherfähigkeit des Betons und der zusätzlichen Wärmedämmung reicht eine Infrarotstrahlungsheizung an der Decke vollkommen aus“, erläutert Peter Görgen.

Die Konstruktion der Shelter und die Herstellung der Betonfertigteile wurden bewusst einfach gehalten. „Letztlich kann man die zehn Zentimeter starken Betonelemente auch ohne Schaltisch auf einer Betonplatte mit Kanthölzern als Begrenzung betonieren“, erklärt Martin Hachmeister. So können die Shelter auch in Krisengebieten und Schwellenländern direkt produziert werden.

Die beiden Initatoren der Betonshelter in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Dipl-Ing. Peter Görgen (l.) und Dipl.-Ing. Martin Hachmeister (r.)
Die beiden Initatoren der Betonshelter in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Dipl-Ing. Peter Görgen (l.) und Dipl.-Ing. Martin Hachmeister (r.)

Die Shelter werden paarweise in einem Abstand von 3-5 Metern auf dem terrassierten Gelände aufgebaut. Dadurch entsteht eine eher dörfliche Bebauung mit Siedlungscharakter. Ein Gebäude wiegt insgesamt 16 Tonnen und besteht aus sechs einzelnen Beton- elementen, die ein Autokran von den LKW ablädt. Zwei Monteure vor Ort verbinden die Elemente mit Stahlwinkeln. Das Dach besteht aus einem Betonfertigteil mit darüber liegenden Sandwichpaneelen, die auch zusätzlich als Dämmung dienen. Nachdem die Fugen mit Silkon abgedichtet wurden, kann mit der Montage des Wärmedämm- verbundsystems in 80 mm Stärke und dem Verputzen begonnen werden. Im Innenbereich werden die Wände grundiert und der Boden mit einem Epoxidharz beschichtet. Der modulare Aufbau der Container ermöglicht einen problemlosen Rückbau nach der Nutzung.

In dem fertigen Betonshelter finden 4-6 Personen Platz – das entspricht dem internationalen Standard. Die Shelter sind dabei vielseitig nutzbar. So sind bereits sechs dieser Container zu einer Sanitäranlage mit Dusche, WCs und Waschraum zusammengebaut worden.
Das Land Rheinland-Pfalz hat bereits weitere 80 Shelter für einen weiteren Standort bestellt, lediglich die anderen Bundesländer halten sich zurück. Dipl.-Ing. Martin Hachmeister: „Deutschlandweit haben wir Anfragen seitens der Behörden von über 2000 Stück – aber die politische Entscheidung wird einfach zu spät getroffen“. Hachmeister steht bereits mit einigen anderen Betonfertigteilunternehmen in Kontakt um eine flächendeckende Produktion sicherzustellen.

 

Fotos: InformationsZentrum Beton/Meta Welling

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12.11.2015

Veröffentlicht von Eric Sturm. Haben Sie auch eine interessante Meldung für architekturmeldungen.de? Kontaktieren Sie mich über das Kontaktformular, per E-Mail, via Facebook, Twitter, Google+ oder XING!