UTB-Projekt „Quartier WIR“ (Deimel Oelschläger Architekten) in Berlin-Weißensee gewinnt Bundespreis „Umwelt & Bauen“

Die aus fünf Mehrfamilienhäusern bestehende kleine Siedlung, das Quartier WIR, überzeugte die Jury des Bundespreises durch den gemeinschaftlichen Planungsprozess, die Integration unterschiedlicher sozialer Gemeinschaften, eine positive Ökobilanz durch den Holzbau und den KfW-40-Standard sowie die Maßnahmen zur Luftqualität.

Dem Projekt der UTB Projektmanagement GmbH (Planung: Deimel Oelschläger Architekten, Berlin) wurde im Rahmen der Preisverleihung Ende September 2020 (siehe Video unten) der Bundespreis in der Kategorie „Quartiere“ verliehen.

Berlins größtes Holzbau-Wohnprojekt besteht aus 160 Wohneinheiten, die auf einem rund 7.000 m² großen Grundstück in ruhiger und baumreicher Lage auf der Erweiterungsfläche eines jüdischen Friedhofs neu errichtet wurden. Das Quartier mit seinen fünf Gebäuden zeichnet sich durch eine lebendige Mischung an barrierearmen Wohnungstypologien für Familien, Singles, Jung und Alt aus.

Wohnen mit Holz: Blick in eine Wohnung im Quartier WIR in Berlin-Weißensee (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)
Wohnen mit Holz: Blick in eine Wohnung im Quartier WIR in Berlin-Weißensee (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)

Während die UTB Projektmanagement GmbH ein Gebäude mit 38 Eigentumswohnungen realisierte, ermöglichen die anderen vier für die „BeGeno16 – Besser Genossenschaftlich Wohnen von 2016 eG“ entwickelten Häuser genossenschaftliches Wohnen in ganz unterschiedlichen Wohnformen. Durch die Kooperation mit sozialen Trägern sind einige Wohngemeinschaften in sogenannten Clusterwohnungen für Kinder- und Jugendliche sowie Demenzerkrankte entstanden.

Darüber hinaus bieten sechs Wohnungen Flüchtlingen eine neue Heimat, die dank privater Patenschaften für Genossenschaftsanteile zu sozialverträglichen Mieten zur Verfügung gestellt werden konnten. Beteiligungsformate vor Planungsbeginn warben für die Akzeptanz des neuen Quartiers in der Nachbarschaft und stellten sicher, dass zukünftige Bewohner und Bewohnerinnen ihre Ideen frühzeitig einbringen konnten.

Kita, Ausbildungsrestaurant und Lernschwimmbad stehen auch der Nachbarschaft offen

Von den Gemeinschaftsflächen im öffentlichen Raum profitieren nicht nur die Menschen im Quartier, sondern auch die direkte Nachbarschaft durch Kita, Ausbildungsrestaurant und Lernschwimmbad mit angeschlossener Physiotherapie. Ausschließlich den Menschen im Quartier zugänglich sind zwei große Dachterrassen, ein Gemeinschaftsraum, ein Multifunktionsraum und eine Werkstatt.

Zwei Tiefgaragen, eine davon mit zehn Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, zwei Fahrradgaragen für insgesamt 180 Fahrräder, ein großer Spielplatz, Trinkwasserstelle im Außenbereich, offene Privatgärten sowie eine Durchwegung und Plätze ohne Autoverkehr bieten den Bewohnern und Bewohnerinnen eine hohe Wohnqualität. Davon profitieren ebenfalls sechs soziale Träger, die heute gesichertes Wohnen für Menschen mit Betreuungsbedarf in den verschiedenen Häusern anbieten.

Ansicht der straßenseitigen Fassade im Quartier WIR (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)
Ansicht der straßenseitigen Fassade im Quartier WIR (Foto: Erik-Jan Ouwerkerk)

Wichtigster Baustoff: Holz

Der Projektentwicklung ging ein Planungswettbewerb voraus, den Deimel Oelschläger Architekten aus Berlin mit einer Belobigung für sich verbuchen konnten. So schlugen sie Holz als Hauptbaustoff vor, der 70 Prozent der Konstruktion ausmacht. „Der Holzanteil im Quartier WIR beträgt rund 5.000 m³ und entzieht somit der Atmosphäre knapp 3.500 Tonnen CO2. Der nachwachsende Rohstoff Holz hat viele ökologische Vorteile und leistet so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz“, bestätigt Christoph Deimel.

Die Vier- und Fünfgeschosser entstanden in Holzhybridbauweise: Keller und Treppenhäuser bestehen aus Beton, während konstruktive Bauteile wie Wände, Stützen, Decken und Träger in Holzbauweise, vielfach sichtbar und unbehandelt, ausgeführt wurden. Das verbaute Holz wurde von der Firma Binderholz in Österreich geliefert und stammt aus Zentraleuropa, der Holzbau, Dachdeckerarbeiten sowie die Fenster und Türen kommen vom Unternehmen Terhalle im Münsterland. Die Landschaftsarchitekten gruppeF sorgten für eine extensive Begrünung der Hausdächer. Alle Gebäude entsprechen dem Standard KfW-Effizienzhaus 40: Sie verbrauchen rund 60 % weniger Energie als vergleichbare Neubauten und erreichen nahezu die Werte eines Passivhauses.

Video der Preisverleihung des Bundespreis Umwelt & Bauen

Der Bundespreis wurde 2020 von Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt (UBA) erstmalig ausgelobt. Er richtet sich an alle Akteure der Bauwirtschaft, darunter Bauherren, Bauträger, Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner, die sich dem nachhaltigen Bauen unter hoher architektonischer Qualität verschrieben haben und zeichnet beispielhafte Projekte aus. Alle weiteren Informationen und Preisträger finden Sie auf der Website des UBA.

Hier das Video der Preisverleihung:

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