Berlin-Marzahn 1983 #22 (Foto: Roger Melis / © Mathias Bertram)

Berlin-Marzahn 1983 #22 (Foto: Roger Melis / © Mathias Bertram)

Ausstellung in Berlin: „Roger Melis | Marzahn 1983. Bilder einer neuen Stadt“

Noch bis zum 21.10.2017 zeigt die Berliner „Galerie für Moderne Fotografie“ Arbeiten von Roger Melis. Er hat im Winter 1983 den damals neu errichteten Bezirk Marzahn im Berliner Nordosten in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bildern festgehalten. (Foto: Roger Melis / © Mathias Bertram)

„Lang und still ziehen sich Straßen, Treppen, Wege, Spuren von Autos und Trampelpfade durch die verschneite Großwohnsiedlung Marzahn. Wie Monolithen ragen die Wohnblocks in den 1983 entstandenen Fotografien des Ostberliner Künstlers Roger Melis aus der kargen Winterlandschaft und den schneeverhangenen Baugruben der noch im Aufbau befindlichen „neuen Stadt“ hervor.

Als Antwort auf die Wohnungsfrage 1976-1990 im Nordosten Berlins erbaut, schuf die Anlage als eines der größten Bauprojekte der DDR Raum für rund 165.000 Bewohnerinnen und Bewohner. Gepflasterte Gehwege und Straßenbeleuchtung waren anfangs noch nicht vollständig vorhanden. Auch die überfüllten Busse wurden erst mit der Zeit durch eine Straßenbahn ersetzt, um die Menschen zu Kneipen, Restaurants, vielseitigeren Einkaufsmöglichkeiten oder Spielplätzen zu fahren, die erst allmählich auf Drängen der Einwohner in Marzahn entstanden.

Berlin-Marzahn 1983 #09 (Foto: Roger Melis / © Mathias Bertram)
Berlin-Marzahn 1983 #09 (Foto: Roger Melis / © Mathias Bertram)

Die funktionale Reduzierung auf den Wohnraum, der keine Orte für gesellschaftliche Begegnung und Freizeit vorsah, brachte der Siedlung Namen wie „Schlafstadt“ oder „Arbeiterschließfächer“ ein. Für viele standen die Plattenbauten für eine Gesellschaft, in der tagsüber gearbeitet wird und nachts „die Arbeitskraft reproduziert“ wurde – Marzahn galt als eine der kinderreichsten Gegenden der DDR.

Die Plattenbauweise, bei der industriell vorgefertigte Elemente vor Ort zu einem größeren Gefüge zusammengesetzt werden, erscheint in den Aufnahmen Melis’ wie eine skulpturale Entsprechung der gesellschaftlichen Glieder, die an diesem Ort in eine gerasterte Struktur des Systems DDR eingefügt werden.“ (Isabelle Busch)

Die Galerie für Moderne Fotografie wurde 2008 von Kirsten Hermann gegründet und befindet sich in der Schröderstraße in Berlin-Mitte. Der Schwerpunkt des Galerieprogramms liegt insbesondere auf dem Medium der Fotografie und konzentriert sich dabei sowohl auf die Präsentation internationaler etablierter Künstlerinnen und Künstler als auch auf die Entdeckung junger fotografischer Arbeiten.

Weitere Informationen: galeriefuermodernefotografie.com

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18.09.2017

Veröffentlicht von Eric Sturm. Haben Sie auch eine interessante Meldung für architekturmeldungen.de? Kontaktieren Sie mich über das Kontaktformular, per E-Mail, via Facebook, Twitter, Google+ oder XING!

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