Entwurf für den Leninplatz in Berlin, Dieter Urbach, 1967

Radikal Modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre

Architektur und Städtebau der sechziger Jahre prägen bis heute das Berliner Stadtbild. In dieser Dekade fielen wesentliche stadtplanerische Entscheidungen, und es entstanden zahlreiche bemerkenswerte, heute gefährdete Architekturen. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist die erste nähere Betrachtung der in Ost- und West-Berlin entwickelten Planungen und Bauten und regt eine Neubewertung dieser bis heute umstrittenen Bauphase an.

 

Die Architekturen und die großzügig ausgebauten Verkehrswege der 1960er-Jahre sind in der öffentlichen Meinung nicht nur in Berlin ein wenig geschätztes und daher gefährdetes Erbe. Im Unterschied zu ikonenhaften Einzelarchitekturen, wie zum Beispiel der Nationalgalerie von Mies van der Rohe oder dem Haus des Lehrers von Hermann Henselmann, werden viele Überlieferungen als „monoton“, „billig“ und „veraltet“ beschrieben und kaum instandgehalten. Sie sind daher heute vom großen Veränderungsdruck bis hin zum Abriss bedroht.

Idealbilder: Internationale Moderne und die „Autogerechte Stadt“

Die Planungen und Bauten dieser Zeit sind Zeugnisse historischer Vorstellungen, die sich in deutlicher Abkehr von der Architektursprache der Nazi-Diktatur an der Internationalen Moderne und am Idealbild der sogenannten autogerechten Stadt orientierten. Fortschrittsglauben, Wirtschaftswunder und die Machtdarstellung zweier konkurrierender Systeme im Kalten Krieg manifestierten sich im Bau prägnanter Repräsentationsarchitekturen, neuartiger Einkaufszentren, verdichteter Hochhaussiedlungen und in einem auf die Zukunft ausgerichteten Straßenverkehrsnetz.
Bekannte und neu entdeckte Originalmaterialien – darunter Modelle, Filme, Fotografien, Pläne, Collagen und Manuskripte – verdeutlichen politische, gesellschaftliche und bautechnische Visionen für den Aufbau der zerstörten und durch den Mauerbau gespaltenen Metropole.

Vom Märkischen Viertel zur Stalinallee

Am Beispiel ausgewählter Planungen, wie etwa den Bebauungen entlang der ehemaligen Stalinallee, am Alexanderplatz, am Breitscheidplatz oder im Märkischen Viertel, werden die Zielsetzungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der in zwei verschiedenen politischen Systemen entstandenen Bauprojekte untersucht. Darüber hinaus wird exemplarisch aufgezeigt, inwieweit die Entwürfe eine internationale Vernetzung einzelner Autoren erkennen lassen oder sich an ihnen Kenntnisse des internationalen Baugeschehens ablesen lassen.

Gezeigt werden über 250 Arbeiten von mehr als 30 Architekten, Planungsbüros, Fotografen, Künstlern und Filmemachern. Unter den Architektinnen und Architekten sind zum Beispiel zu nennen: Paul Baumgarten, Candilis Josic Woods mit Schiedhelm, Werner Düttmann, Walter Gropius, Hermann Henselmann, Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg, Walter Herzog, Josef Kaiser, Roland Korn, Mies van der Rohe, Georg Heinrichs, Ulrich Müther, Hans Scharoun, Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, Manfred Zumpe.

Der reich bebilderte Katalog zur Ausstellung erscheint in deutscher und englischer Ausgabe im Wasmuth Verlag mit Beiträgen von Bruno Flierl, Hartmut Frank, Anna Heckmann, Irma Leinauer, Ursula Müller, Frank Seehausen, Dirk Weilemann, Adrian von Buttlar und Stanislaus von Moos.

Ausstellung und Katalog werden ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes.
Der Katalog wird zusätzlich gefördert mit Mitteln der Wüstenrot Stiftung.

Mit „Radikal Modern“ wird das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen wiedereröffnet.

Radikal Modern
Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre

Berlinische Galerie
29. Mai – 26. Oktober 2015
Pressekonferenz: 27. Mai, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: 28. Mai, 19 Uhr

 

Abbildung: Dieter Urbach, Entwurf Wohnbebauung Leninplatz (Entwurf: Manfred Jäkel, Lothar Kwasnitza), 1967

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12.05.2015

Veröffentlicht von Eric Sturm. Haben Sie auch eine interessante Meldung für architekturmeldungen.de? Kontaktieren Sie mich über das Kontaktformular, per E-Mail, via Facebook, Twitter, Google+ oder XING!

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